Max Aeberli: «Du tastest Dich durchs Leben, lieber Michael»

Laudatio anlässlich der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Rapperswil-Jona, 2009

Der zweite Kulturpreis der Stadt wurde dem jungen Musiker Michael Pelzel verliehen. Treffend charakterisierte Laudator Max Aeberli den Preisträger in einer stimmigen Feier im Kunst(Zeug) Haus. Der Kulturpreis wurde dem Pianisten, Organisten und Komponisten Ende Oktober im Beisein von Freunden, Familie, Behördenvertretern und ehemaligen Lehrern überreicht.

Da Michael Pelzel im Teamchor quasi musikalisch gross geworden ist, war es nur folgerichtig, dass dieser die Feier für den diesjährigen Keulturpreisträger musikalisch gestaltete und mit «Good day sunshine» dem Ereignis entsprechend begann. Was aber auch dazu führte, dass man sich spätestens beim dritten Vortrag, einer Improvisation speziell für den ehemaligen Mitsänger, fragte, ob hier Pelzel uraufgeführt werde.

Und Chorleiter Max Aeberli, neben den ebenfalls anwesenden Martin Ulrich Brunner, Klavier, und Rolf Wäger, Orgel, einer der musikalischen Ziehväter des Preisträgers, sparte nicht mit einschlägig verwirrenden Worten. Vom feinsten Pianissimo bis zum bebenden Fortissimo, von Staccato bis Legato war musikalisch alles enthalten, was auch eine Komposition Michael Pelzels ausmachen könnte. Zum Schluss erklang es repetitiv, Fanfaren gleich:« Der Kulturpreis der Stadt Rapperswil-Jona geht an …, der Kulturpreis der Stadt Rapperswil-Jona geht an … – und schliesslich erlösend: … Michael Pelzel!!»

Dann wurde es ganz offiziell, in tiefschwarzem Sakko und am Rednerpult: Laudator Max Aeberli hielt seine Rede druckreif in Schriftsprache, was ihm die verdiente Aufmerksamkeit einbrachte. Zunächst humorvoll skizzierte er seinen einstigen «Chorknaben» und Gymnasiasten als experimentierfreudigen, ab und zu strapaziösen heranwachsenden Schüler. Um anschliessend sehr persönlich und direkt den Menschen und Künstler Michael Pelzel zu zeichnen. «Was geht in dir vor, wenn du in deine Musikwelt abtauchst?» frage er sich. Michael Pelzel arbeite auf schwierigem Terrain. Gut möglich, dass man ihn heute als Spinner betrachte und ihn dann in 200 Jahren wiederentdecke. Obwohl Michael Pelzel, seit Kurzem in Stäfa wohnhaft, schon einige renommierte, internationale Preise und Anerkennungen habe entgegennehmen können, sei er sich nach wie vor nicht zu schade, auch den einfachen Kirchendienst zu leisten oder als Begleiter am Klavier einzuspringen.

Der Preisträger bedankte sich in seiner für ihn typischen Weise. Den Kulturpreis seiner Heimatstadt zu erhalten, bedeute ihm sehr viel und sei eine grosse Ehre. Obwohl von einer Szene für zeitgenössische Musik gesprochen werden könne, diese also durchaus ihr fachkundiges, tolerantes Publikum habe, sei er sehr dankbar für Uraufführungen, wie sie «sein» Teamchor 2008 mit seiner Komposition «Dreamland» nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe realisierte. Solche Vermittlerprojekte seien äusserst wichtig. Der Gästeschar wurde dies durch «Psalmodie volubile» für Flöte solo, komponiert 1978, sehr subtil und tonal wunderbar getroffen durch Anne-Laure Pantillon, zwischen Laudatio und Dank des Preisträgers zu Gehör geführt. Und manch einer fragte sich wohl, wie eine Flötistin mehrstimmig ihrem Instrument gehauchte, gestossene, gepfi ffene, gezischte, grobe und zarte Töne zu entlocken vermöge. Die Verbundenheit mit seiner Heimat zeige sich etwa darin, dass er in Stäfa jeweils mit grosser Freude das Dampfschiff «Stadt Rapperswil» einfahren sehe und immer wieder beobachten könne, dass dieses um einiges schöner sei als das Schiff «Stadt Zürich», meinte Michael Pelzel. Er schloss mit den Worten, sicher habe er viele, denen er habe danken wollen, vergessen. Und ganz so, wie ihn viele kennen und mögen, machte er mit einem kleinen Flyer auf seine neueste CD mit Orgelwerken von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn und weiteren Meistern aufmerksam. Denn ein Musiker lebt, dem etwas angepassten Sprichwort folgend, nicht von Anregennungspreisen allein.

Die Urkunde und einen Check über 10 000 Franken überreichte Stadtpräsident Benedikt Würth. Aus einem guten Boden wachsten Talente, auch junge musikalische Talente, die gemäss Kulturleitbild Förderung verdienten, sagte der Stadtpräsident. Und Rapperswil-Jona scheine ein kultureller Kraftort zu sein. Der Anerkennungspreis sei als Motivation gedacht, solle dem Preisträger Schub geben für seinen weiteren kürstlerischen Werdegang, den man sicher weiterverfolgen werde.

Der musikalische Schluss dieses stimmigen Abends hätte nicht «tränfer» sein können. «Es isch ja nu es Träumli gsii» sang der Teamchor mit spürbarer Freude. Nein, «es isch also doch keis Träumli gsii.» Michael

Pelzel ist Kulturpreisträger 2009. (lh)

https://www.test.retrodigital.sg.ch/pdf/rapperswil_jona_stadtarchiv_stadtspiegel_2007_2009_stadtspiegel_2009.pdf

Max Aeberli: «Du tastest Dich durchs Leben, lieber Michael»

Laudatio anlässlich der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Rapperswil-Jona, 2009

Der zweite Kulturpreis der Stadt wurde dem jungen Musiker Michael Pelzel verliehen. Treffend charakterisierte Laudator Max Aeberli den Preisträger in einer stimmigen Feier im Kunst(Zeug) Haus. Der Kulturpreis wurde dem Pianisten, Organisten und Komponisten Ende Oktober im Beisein von Freunden, Familie, Behördenvertretern und ehemaligen Lehrern überreicht.

Da Michael Pelzel im Teamchor quasi musikalisch gross geworden ist, war es nur folgerichtig, dass dieser die Feier für den diesjährigen Keulturpreisträger musikalisch gestaltete und mit «Good day sunshine» dem Ereignis entsprechend begann. Was aber auch dazu führte, dass man sich spätestens beim dritten Vortrag, einer Improvisation speziell für den ehemaligen Mitsänger, fragte, ob hier Pelzel uraufgeführt werde.

Und Chorleiter Max Aeberli, neben den ebenfalls anwesenden Martin Ulrich Brunner, Klavier, und Rolf Wäger, Orgel, einer der musikalischen Ziehväter des Preisträgers, sparte nicht mit einschlägig verwirrenden Worten. Vom feinsten Pianissimo bis zum bebenden Fortissimo, von Staccato bis Legato war musikalisch alles enthalten, was auch eine Komposition Michael Pelzels ausmachen könnte. Zum Schluss erklang es repetitiv, Fanfaren gleich:« Der Kulturpreis der Stadt Rapperswil-Jona geht an …, der Kulturpreis der Stadt Rapperswil-Jona geht an … – und schliesslich erlösend: … Michael Pelzel!!»

Dann wurde es ganz offiziell, in tiefschwarzem Sakko und am Rednerpult: Laudator Max Aeberli hielt seine Rede druckreif in Schriftsprache, was ihm die verdiente Aufmerksamkeit einbrachte. Zunächst humorvoll skizzierte er seinen einstigen «Chorknaben» und Gymnasiasten als experimentierfreudigen, ab und zu strapaziösen heranwachsenden Schüler. Um anschliessend sehr persönlich und direkt den Menschen und Künstler Michael Pelzel zu zeichnen. «Was geht in dir vor, wenn du in deine Musikwelt abtauchst?» frage er sich. Michael Pelzel arbeite auf schwierigem Terrain. Gut möglich, dass man ihn heute als Spinner betrachte und ihn dann in 200 Jahren wiederentdecke. Obwohl Michael Pelzel, seit Kurzem in Stäfa wohnhaft, schon einige renommierte, internationale Preise und Anerkennungen habe entgegennehmen können, sei er sich nach wie vor nicht zu schade, auch den einfachen Kirchendienst zu leisten oder als Begleiter am Klavier einzuspringen.

Der Preisträger bedankte sich in seiner für ihn typischen Weise. Den Kulturpreis seiner Heimatstadt zu erhalten, bedeute ihm sehr viel und sei eine grosse Ehre. Obwohl von einer Szene für zeitgenössische Musik gesprochen werden könne, diese also durchaus ihr fachkundiges, tolerantes Publikum habe, sei er sehr dankbar für Uraufführungen, wie sie «sein» Teamchor 2008 mit seiner Komposition «Dreamland» nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe realisierte. Solche Vermittlerprojekte seien äusserst wichtig. Der Gästeschar wurde dies durch «Psalmodie volubile» für Flöte solo, komponiert 1978, sehr subtil und tonal wunderbar getroffen durch Anne-Laure Pantillon, zwischen Laudatio und Dank des Preisträgers zu Gehör geführt. Und manch einer fragte sich wohl, wie eine Flötistin mehrstimmig ihrem Instrument gehauchte, gestossene, gepfi ffene, gezischte, grobe und zarte Töne zu entlocken vermöge. Die Verbundenheit mit seiner Heimat zeige sich etwa darin, dass er in Stäfa jeweils mit grosser Freude das Dampfschiff «Stadt Rapperswil» einfahren sehe und immer wieder beobachten könne, dass dieses um einiges schöner sei als das Schiff «Stadt Zürich», meinte Michael Pelzel. Er schloss mit den Worten, sicher habe er viele, denen er habe danken wollen, vergessen. Und ganz so, wie ihn viele kennen und mögen, machte er mit einem kleinen Flyer auf seine neueste CD mit Orgelwerken von Johann Sebastian Bach, Felix Mendelssohn und weiteren Meistern aufmerksam. Denn ein Musiker lebt, dem etwas angepassten Sprichwort folgend, nicht von Anregennungspreisen allein.

Die Urkunde und einen Check über 10 000 Franken überreichte Stadtpräsident Benedikt Würth. Aus einem guten Boden wachsten Talente, auch junge musikalische Talente, die gemäss Kulturleitbild Förderung verdienten, sagte der Stadtpräsident. Und Rapperswil-Jona scheine ein kultureller Kraftort zu sein. Der Anerkennungspreis sei als Motivation gedacht, solle dem Preisträger Schub geben für seinen weiteren kürstlerischen Werdegang, den man sicher weiterverfolgen werde.

Der musikalische Schluss dieses stimmigen Abends hätte nicht «tränfer» sein können. «Es isch ja nu es Träumli gsii» sang der Teamchor mit spürbarer Freude. Nein, «es isch also doch keis Träumli gsii.» Michael

Pelzel ist Kulturpreisträger 2009. (lh)

https://www.test.retrodigital.sg.ch/pdf/rapperswil_jona_stadtarchiv_stadtspiegel_2007_2009_stadtspiegel_2009.pdf