Presseresonanz
Jubel für die Wirbelschleppen
FRANKFURT – Ensemble Modern mit Ligeti und Pelzel
…Noch mehr Beifall, Johlen und Bravos erntete die Uraufführung von Melting Pianotude (2023) des 1978 geborenen Schweizer Komponisten Michael Pelzel für Transducer-Flügel und Ensemble. Dafür wurde der Flügel mit MIDI-Abnehmern gespickt, die synchron die angeschlagenen Töne verändern und dem ursprünglichen Klang wieder beimischen. Das klang, als würde jedem angeschlagenen Ton eine Art Wirbelschleppe folgen. Am Beginn der Klangreise hörte man flappende Geräusche, wie von einem Schwarm riesiger Fledermäuse, mit silbrigen Klangschatten.
Gegen Mitte des Stücks traten Oboist, Posaunist und Hornist mit Schläuchen um den Hals zum Flügel. Was sie machten, sah man nicht. Aber es hörte sich an, als würden sie die Flügelsaiten nach unten stimmen. Wenig später bebte unter den Zuhörern der Boden von mächtigen Impulsen, die jedoch hier, im Unterschied zu funktionalen Musiken, nicht unwidersprochen blieben. Insgesamt eine mitreißende Klang-Erlebnisreise…
Frankfurter Allgemeine Zeitung – Rhein-Main-Zeitung, 23. Januar 2024, S. 12, Doris Kösterke: „Einflüsse in etwas Persönliches zu verwandeln“, Ressort Kultur, Verlag: Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main
…Michael Pelzel verband in Dark Side of Telesto den Namen des hellsten Saturnmonds mit dem meistverkauften Pink-Floyd-Album The Dark Side of the Moon.
Dem präparierten Flügel wurden obertonreich schwebende Gong- und Glockenklänge entlockt, deren Dunkelheit dann besonders grelles Hämmern, Fauchen und Schnattern verdrängte, bis schließlich alles in kosmische Kälte und Nacht versank…
Quelle: Rainer Nonnenmann, Sehnsucht nach der alten „Normalität“ – Die Wittener Tage für neue Kammermusik 2021, WDR / Academia.edu, 2021
Historische Rückblicke kommen oft vor in diesem 53. Jahrgang der Wittener Tage für Neue Kammermusik, auch beim 1978 in Rapperswil geborenen Michael Pelzel, der als Organist in Stäfa am Zürichsee aktiv ist. Pelzel erinnert sich an seine Jugendzeit, als er viel Pink Floyd hörte, vor allem das Album Dark Side of the Moon. Flächig-monochrom, dabei sehr dicht und konzentriert klingt es in seinem Ensemblestück Dark Side of Telesto. Der Einsatz vieler Gongs verleiht dem Werk etwas Schwebendes, auch eine unüberhörbar melancholische Note. An eine musikalische Antwort auf aktuelle Corona-Lagen hat Pelzel vielleicht nicht gedacht. Zeitgemäss wirkt das dunkle Werk aber schon.
Torsten Möller: „Zeitgemässe Melancholie“, Schweizer Musikzeitung, 05.05.2021
…Michael Pelzel erkundet, inspiriert von Glocken und Gongs, The dark side of Telesto. Der Saturnmond, dessen dunkle Seite hier beleuchtet wird, gilt als das hellste Objekt unseres Sonnensystems, und diese Doppelbödigkeit spiegelt sich auch in der Musik, deren ruhiger, getragener, fast schwermütiger Verlauf wiederholt von heftigen Bläserattacken und aggressiven Einbrüchen zerfurcht wird.
Gazette Neue Musik in NRW: Wittener Tage für neue Kammermusik 2021, 05/2021, kulturserver-nrw.de
„… Ähnlich fokussiert wirkt die Komposition von Michael Pelzel, der aus seiner Vision eines Saturnmondes, vermittelt über Pink Floyds Album The Dark Side of the Moon, ein düsteres Geläut mit einer ins Unheimliche reichenden Bedeutungsaura schafft.“
Max Nyffeler: So klingen Bilder von Matisse – Neue Kammermusik in Witten 2021, Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 2021
Michael Pelzels neues Stück «Inside-out Diabelli» für Klarinette, Schlagzeug, Klavier und Violoncello fußt auf Beethovens Diabelli-Variationen. Es akzentuiert das Auftaktmotiv des Originals und steigert es bis zur Brutalisierung, aber auch Banalisierung.
Thomas Schacher: „Fulminantes Eröffnungskonzert des Collegium Novum Zürich – Antikomposition: Grenzen sprengend“, Neue Zürcher Zeitung (NZZ), 21. September 2015, Feuilleton
„In diesem Jahr ist dem Schweizer Michael Pelzel ein umfangreiches Porträtkonzert gewidmet, auf das sein Ultraschall-Eröffnungsstück neugierig macht: Chatoiements de l’air ist ein filigran durchgebildetes Werk von exquisitem Klangsinn, an dem die vorbildliche Registerbalance und die rhythmische Vielfalt paralleler Bewegungen fasziniert.“
Sprechen, hupen, rascheln – Eröffnung des Ultraschall-Festivals, Der Tagesspiegel, 23. Januar 2015
Michael Pelzels études-bagatelles (2010/2011) für Orgel wurden im Herkulessaal in deutscher Erstaufführung vorgestellt. In den ersten beiden Stücken verhinderte der Komponist bewusst den vollen Aufbau der Luftsäulen: halb gezogene Register und extrem schnelle Tastengriffe erzeugten hauchende, luftige Klänge und Geräusche der Windladen – eine entrückte, mystisch aufgeladene Atmosphäre mit spannungsvollen Clustern. Die étude-bagatelle IV für Orgel und fünf bis sechs im Raum verteilte Assistenten ließ durch experimentelles Blasen einzelner Pfeifen ein „Vogelkonzert“ entstehen, verlor jedoch dramaturgisch etwas an Kontur.
Sendung des BR-Livemitschnitts am 23.12.
Reinhard Palmer: „Klang im Fokus – Drei Komponisten stellten sich bei musica viva sensiblen Fragen der Klangbildung und -formung“, neue musikzeitung (nmz), 15.12.2014, Online unter: http://www.nmz.de/online/klang-im-fokus-drei-komponisten-stellten-sich-bei-musica-viva-sensiblen-fragen-der-klangbildu
…Das Klangskulpturale war im Schlusskonzert des Festivals mit den «Sculture di suono – in memoriam Giacinto Scelsi» (2014) für grosses Ensemble des Schweizers Michael Pelzel stark präsent. Das Werk überzeugte mit einer radikal dichten, polyfonen Überlagerung von Klang- und Zeitschichten, welche einen in sich komplex strukturierten, intensiven und kräftigen Gesamtklang erzeugten, der einen Sog sondergleichen entwickelte….
NZZ-online, 14.5.2014, 18:45, Die Wittener Tage für neue Kammermusik 2014, Skulpturale, körperhafte Klänge, Alfred Zimmerlin
…Das Festival von Witten stellte hier ganz unterschiedliche Musiken vor. Der Schweizer Michael Pelzel zum Beispiel, der in Stäfa als Organist wirkt, gab sich in seinem Ensemblestück «Sculture di suono – in memoriam Giacinto Scelsi» klanglich wuchtig und radikal. […] Aber nicht jeder und jede verfügt über so viel Power wie Michael Pelzel, um sich Gehör zu verschaffen…
SRF-Kultur, 13.5.2014, 14:48, «Digital natives» komponieren Neue Musik, Thomas Meyer
Das Diabelli in Michael Pelzels Werk spielt weder auf den Komponisten Anton Diabelli noch auf die «Variations Diabelli» von Beethoven an. Das «Etüdenbuch zu Diabelli pour six voix a cappella» basiert auf einer Erzählung von Hermann Burger. Ein Zauberer möchte sein Leben als Künstler beenden. Die Etüden, die in einer beliebigen Reihenfolge gesungen werden können, spielen mit den Rhythmen, die durch die synchronen und asynchronen Stimmen entstehen. Ausserdem bewirken die Frauen- und Männerstimmen mit unterschiedlicher Pulsierung eine Überlagerung der Tempi und stellen so die verschiedenen Stimmen in Opposition zueinander.
Sébastien Cayet – „Schweizer Kompositionen am Festival Archipel“ | Gastbeitrag auf blog.suisa.ch, 23. März 2018 – https://blog.suisa.ch/de/schweizer-kompositionen-am-festival-archipel/
…Eben weil Komponisten im Streichquartett Experimente schon immer auf die Spitze treiben durften, lassen sich einheitliche Trends noch weniger ausmachen als sonst schon in der Moderne. Michael Pelzel zum Beispiel legt in seiner in Luzern uraufgeführten ‚vague écume des mers‘ den Fokus vor allem auf den Rhythmus. Indem er auf die Komplementärrhythmik aus afrikanischen Musiziertraditionen zurückgreift, verwandelt er sein 2.Streichquartett in ein wunderbar energetisches Spiel mit der empfundenen Zeit…
Süddeutsche Zeitung, 30.8.2013
…Sehr gut fügen sich die übrigen Werke des Abends zu Käsers Präludien. Michael Pelzels «Etüdenbuch zu Diabelli», für die Neuen Vocalsolisten geschrieben, stösst kompositorisch weitgehend ins gleiche Horn wie Käser. Im Unterschied zu dessen Werk basieren aber Pelzels Lautketten auf literarischer Sprache, nämlich auf Hermann Burgers Erzählung vom Zauberer Diabelli. Originell sind die Beiträge, die der Grossmünsterorganist Andreas Jost zwischen die Vokalstücke einstreut. Lionel Roggs Orgelstück «Les tétracordes insistants» schliesst sich perfekt an den Etüdencharakter von Pelzel an…
Neue Zürcher Zeitung – „Wenn die Nachtigall niest“, Feuilleton, 09. Mai 2019, S. 43 – Thomas Schacher
…The Ardittis’ own solo quartet was by Michael Pelzel, but the UK première of …vers le vent… came across as less distinctive than the programme’s other items: a thrilling virtuosic trip, but in a very familiar modernist style.
https://bachtrack.com/fr_FR/review-wigmore-hall-arditti-jack-quartets, 2013
…Der Hoquetus-Gedanke ist auch in dem vom Quatuor Diotima uraufgeführten Werk «vague écume des mers» (2013) des Schweizers Michael Pelzel präsent, das im Auftrag von Lucerne Festival entstanden ist: ein starkes Stück, das streng mit einem reduzierten Klangmaterial, ja mit fast nichts einen frappierenden musikalischen Reichtum generiert. Hier sind es oft Duo-Konstellationen, die ergänzend ineinandergreifen und – auch mit einer Art Mixtur-Harmonik – eine ganz eigenwillige Klanglichkeit und sehr spezielle Energieverläufe schaffen. […] Das ist eine Musik der permanenten Durchführung, womit sie Ludwig van Beethovens cis-Moll-Quartett op. 131 gleicht, einer gigantischen historischen Ikone, welche Diotima danach spielte…
NZZ-online, 27.8.2013, 14:36, «Revolution Kammermusik» beim Lucerne Festival , Alfred Zimmerlin
…Am Samstagmorgen erklingt «vague écume des mers» von Michael Pelzel (*1978). Pelzels Inspirationsquelle ist die afrikanische Trom- melmusik. Zwei oder mehr Musiker bespielen gleichzeitig eine Marimba, eine Art Xylofon. Dabei schlagen sie oft nicht nur unterschiedliche Rhythmen, sondern sind zeitlich auch noch minimal versetzt. Die Quartett-Komposition begeistert. Das Quatuor Diotima spielt hoch konzentriert, die sich ausbildende Trance geht direkt aufs Publikum über. Trotz aller Rhythmik ist es nicht ein vorwärtspumpendes Stück. Die Musik verharrt in einer intensiven Vertikalen, fern von allen Zeitenläufen, ein an Ort tretendes Pulsieren. Jeder Musiker spielt für sich. Und doch vereint sie die auf und abschwellende Intensität…
Neue Luzerner Zeitung, 27.8.2013
…Auf Scelsis Tonbänder greift auch der Schweizer Michael Pelzel zurück: „Sculture di suono – in memoriam Giacinto Scelsi“, so der Titel des grossen Ensemblestücks, für das Klangforum Wien geschrieben, beeindruckt durch die kompositorische Dichte, mit der Scelsis Ondiola-Improvisationen hier in eine, wie der Komponist sagt, „orgelähnliche Klanglichkeit“ überführt werden, die einerseits Scelsi nicht auslöscht, andererseits aber auch eine grosse Eigenständigkeit […] gewinnt…
NMZ Magazin, 10.6.2014, „Auf Spurensuche in den weiten Welten des Klanges“, Gerhard Rohde
…unter ihnen auch der Schweizer Komponist Michael Pelzel. In seinem Sculture di suono – in memoriam Giacinto Scelsi konzentriert er sich auf die aparte „Schwebewelt“, die sich durch mikrotonale Engführungen ergibt. Dem Ensemble Klangforum Wien gelingt eine fantastische Uraufführung des hochinteressanten Werks, das auch Scelsis „biegsame Orgelklanglichkeit“ (Pelzel) in Form exzessiver Terz- und Sextfolgen gekonnt integriert…
SMZ, 5.6.2014, „Geschenke der besonderen Art“, Torsten Möller
…Ins Innere hinein bohrt sich hingegen der Schweizer Michael Pelzel. Sein Ensemblestück Sculture di suono – in memoriam Giacinto Scelsi ist klanglich wuchtig und radikal, schafft tatsächlich eine Klangskulptur – und es schlägt neue Kraft aus den Vorlagen. Soviel urtümlicher Power tat dem Festival zwischendurch gut…
Dissonanz, 3.9.2014, „Bewährte Mischungen“, Thomas Meyer
…Beschaulich geht es dagegen im ebenfalls uraufgeführten Auftragswerk «Dance of the Magic Waterbells» des Schweizers Michael Pelzel zu. Mit ihren Fingern bringen anfangs einige der Musizierenden Wassergläser in Schwingung. Es entstehen zerbrechliche Klänge, die Pelzel in bezaubernden Harmonien übereinanderschichtet. Ätherischer Klang Im Verlauf des Stücks nähern sich auch die Instrumente diesem ätherischen Klang an. Der Komponist lässt drei Musiker als Fernregister von der Empore spielen, wodurch die Atmosphäre das Publikum von allen Seiten einhüllt…
NZZ, 13.1.2015, 5:30, „Werke mit verschiedenen Absichten“ Moritz Weber
…Stimmlosigkeit an der Orgel? Ja, dazu gibt es Möglichkeiten. Pelzels „études-bagatelles“ […] sind geradezu darauf angelegt, die Pfeifen daran zu hindern, ihre schwingende Luftsäule gänzlich aufzubauen. Einerseits mittels nur halb gezogener Registerzüge, die dadurch die Ventile der Windladen nur wenig öffnen und somit die angespielten Töne allenfalls kraftlos hauchen lassen.
Andererseits nutzte Pelzel die Trägheit der Tonerzeugung und glitt so schnell über die Tasten, dass sich vor allem in Holzpfeifen-Registern kein voller Klang entwickeln konnte. So zumindest in den „études-bagatelles I-II“ für Orgel solo von 2010, die vor allem mit Geräuschen der Luft in den Windladen und der Traktur sowie mit Fingerhut-Klappern auf der Klaviatur eine erstaunlich entrückte mystische Atmosphäre zu erzeugen vermochten;…
NMZ, 15.12.2014, Reinhard Palmer
…Da ist etwa Michael Pelzels Streichquartett …vers le vent…, das in überhaupt keiner der irdischen Weltgegenden beheimatet zu sein scheint. Pelzels Klangterritorium ist vielmehr durch seine Interpreten bestimmt, das Arditti Quartett, und deren Herrschaftsgebiet liegt in stellaren Höhen. Noch silberner glitzernd als im Vorgängerwerk Silvers of Sound lässt Pelzel die Präzisions maschine Arditti kalte Funken stäuben, als schleudere sie von Gammastrahlblitzen gepeitscht durch einen galaktischen Kristallsturm…
Dissonance, 2012, Christoph Haffter
…The Arditti’s own contribution was Michael Pelzel’s… vers le vent …, a three-movement work in a slightly more playful vein, following sighing, breathing noises in the slow movement with a scurrying, gusty finale…
The Guardian, 7.5.2013
…Michael Pelzel’s string quartet, … vers le vent…, was performed by the Ardittis. In three movements, it is perhaps in some senses more ‘traditional’. According to Pelzel, the first movement is intended to depart from the idea of ‘a passacaglia on a rhythmic ground with figurative variations, steadily digressing from its original idea until culminating in a homophonic line with great energetic intensity.’ There was certainly that sense of departure in the performance we heard, indeed from the very opening, viola answered by cello. The second movement offered a ‘frozen’ opening, vertiginous harmonics melting to a certain degree thereafter; Pelzel thinks of it as similar to ‘a film in which different narratives unfold simultaneously,’ but also draws attention to its role as something of a slow introduction to the third movement, ‘a scintillating, filigree and virtuoso “Toccata volubile”.’ The quality of a perpetuum mobile in contemporary terms was one that struck me before having seen the composer’s notes. There was, both in work and performance, perhaps even something of the quality of a latter-day Haydn, or better Bartók, finale: tradition present, but reimagined…
http://boulezian.blogspot.de, 7.5.2013
…Dramaturgische Komplexität bei hoher Klangdichte dagegen bei Michael Pelzels «… danses oniriques …» für Kammerensemble mit zwei Klavieren im Sechsteltonabstand. […] Wie bei Haas arbeitet auch Pelzels Komposition mit Verdichtungen, bleibt in seinem Duktus trotz der ständigen Bewegung insgesamt jedoch zurückhaltender. Die Musik besitzt einen seltsam statischen Charakter, ein labiles Gleichgewicht, das jederzeit umstürzen kann und das sich am Ende auch entlädt…
DER STANDARD, 15.11.2007, Robert Spoula
…Sein hochdifferenziertes, transparentes Orchesterwerk „ …chatoiements de l’air… “ folgt mit filigraner Beweglichkeit der Vorstellung flimmernder Luftschichten, besticht durch sein handwerkliches Raffinement, mit dem etwa Parallelbewegungen rhythmisch ausdifferenziert werden. Im vom Klangforum Wien unter Johannes Kalitzke bestrittenen Portraitkonzert nahm […] „Sempiternal Lock-in“ (2012–14) durch eine aufgerauhtere, kräftigere Klanglichkeit für sich ein, von farbigen Details etwa von Lotosflöte und zahlreichen Gongs belebt, zu denen Pelzel ein Südafrika-Aufenthalt inspirierte…
NMZ, 25.2.2015, Isabel Herzfeld
…Später operierten vier der recherche-Musiker wie Chirurgen im Innern zweier Flügel…
Mannheimer Morgen, 22.10.2007, Elisabeth Schwind
Michael Pelzel, compositeur suisse né en 1978, se souvient d’avoir été très attiré à ses débuts par les « sonorités ductiles et fascinantes » de l’école spectrale. Creusant cette esthétique chez Georg Friedrich Haas, […] Chez Kyburz enfin, ce sera l’accent mis sur « l’instinct ludique », caractéristique de l’homme chez Kant et Schiller : « L’œuvre ne doit pas nécessairement saigner, montrer ses plaies ouvertes ; il suffit qu’elle soit un mécanisme parfait. Et la joie qu’elle procure, quand elle n’est pas superficielle, représente également une expérience existentielle ». Organiste, fasciné par la polyphonie, Pelzel pense l’œuvre par couches superposées, dont la densité et la complexité se transforment, qui viennent sur le devant de la scène puis se retirent. along 101 (2008) est le nom d’une grande autoroute menant de Vancouver à Los Angeles : « L’idée poétique est celle d’une traversée de paysages très différents, liées à des communautés diversifiées, mais que l’on retrouve toujours en traversant les villes – variété des quartiers asiatiques ou mexicains, maisons ruinées, coins très riches. D’où l’idée d’une forme-mosaïque, où les mêmes textures ou atmosphères émergent, aidant la mémoire qui reconstitue des objets déjà entendus. »…
Ensemble Intercontemporain: online, 15.9.2010, Martin Kaltenecker
…„Sculture di suono (in memoriam Giacinto Scelsi)“ von Michael Pelzel wurde begeistert aufgenommen. Wie in Scelsis Kompositionen entwickelt sich die Musik des Schweizers zunächst aus einem einzelnen Ton, der von Vierteltonschwebungen wie von sanften Meereswellen umkreist und überlagert wird, bis aus dem sphärischen Fließen ein unwiderstehlicher Sog wird, der den Hörer bis zum Ende des Stücks nicht mehr loslässt. Pelzel blieb aber nicht bei dem einen Ton, sondern ließ seine eigenen musikalischen Gedanken fast unmerklich mit einfließen, bis sie am Ende eine ganz persönliche Perspektive auf Scelsis Werk eröffneten. Einfühlsam und mit liebevoller Genauigkeit entfaltete das Klangforum diesen intimen Moment vor dem Publikum, in dem Scelsi und Pelzel sich für den Bruchteil einer Sekunde gegenseitig zuzuzwinkern schienen…
http://faustkultur.de/, 3.9.2014 „Scelsis Augenzwinkern“, Adele Jakumeit
…Zuerst „Dance of the Magic Waterbells“ von Michael Pelzel, in dem der Schweizer Komponist das heterogene Ensemble dem Klang einer Glasharmonika annähert. Sanft werden dafür zu Beginn mit Wasser gefüllte Gläser durch Reibung zum Klingen gebracht und allmählich mit ähnlichen, oftmals hohen Instrumentalklängen angereichert. Das Collegium Novum unter der Leitung von Peter Rundel gestaltet so eine zauberhafte Sphäre, die sich durch ein auf der Empore angesetztes Trio im ganzen Raum entfaltet…
Tages-Anzeiger, 13.1.2015, „Weltanschauungsmusik mit dem Collegium Novum“, Tages-Anzeiger Rebekka Meyer
…Ein perfekter Sommertag. Flimmernde Hitze, das „Schillern in der Luft“. Und das mitten im Januar im großen Sendesaal des Haus des Rundfunks in Berlin. Wie der Sommer klingen kann und sich zu einem Klangsturm verdichtet, hat Michael Pelzel mit seiner Komposition „…chatoiements à l’air…“ gezeigt. Mit der Uraufführung dieses Gesamtwerkes beginnt das Konzert und gleichzeitig das Festival für Neue Musik «Ultraschall Berlin». Das hoch anspruchsvolle Stück für Kammerorchester hat in der Probe des Deutschen Symphonie-Orchesters wenige Tage zuvor noch Anlass für Spannungen gegeben. Umso beeindruckter bin ich, als die Klänge überzeugend aufbrausen, manchmal wirklich in den höchsten Tönen flimmern. […] Nachdem der letzte Ton verklungen ist, flüstert der Dirigent den Musikern ein anerkennendes „Bravo“ zu, bevor der erste Applaus des Festivals ansteigt…
RBB Jugendblog, 23.01.2015 11:34, „Neues Wetter im Konzertsaal“ Tabea Gesche
…Das Eröffnungswerk …chatoiements de l’air… für Kammerorchester von Michael Pelzel ist seit seiner Uraufführung 2012 um einen zweiten Satz gewachsen, der an diesem Abend uraufgeführt wurde. Inspiration für die Komposition war dem Schweizer Komponisten zufolge das Flirren der Luft bei Hitze, das sich recht bildlich in den Klängen spiegelt. Die Musik beginnt mit einem schmerzvollen Akkord der Harfe, wonach kaum hörbare Flageolettöne der Streicher die stehende Luft andeuten. Das Solo der ersten Violine ließ einen ersten musikalischen Lufthauch entstehen, die Musik geriet dann in Bewegung, schien zu schwanken, zunehmend unruhiger zu werden, bis die Temperatur hoch genug war […] und
die Luft hörbar zum Flirren brachte…
Bachtrack.com, 26.1.2015, Par Saori Kanemaki
…Mit eindrucksvoller Dynamik präsentierte das Klangforum das erste Stück, … along 101 …, aus dem Jahr 2008, in dem Michael Pelzel sich auf musikalische Weise der berühmten amerikanischen Westküstenstrasse Highway 101 widmet. Wie auf einer abwechslungsreichen Fahrt türmen sich in diesem Stück die Klänge des Ensembles auf zu dichten Wolken, Bildern, Flächen. Tatsächlich scheinen Anklänge an amerikanische Volksmusik durchzudringen – kurz tönt das vielleicht nach Country, nach Blaskapelle, doch schon ist man an dieser Stelle der Strasse vorbeigerauscht. […] Auch in Sempiternal Lockin bewies Michael Pelzel seine Fähigkeit, so unterschiedliche Einflüsse wie die Eindrücke aus Afrika mit seiner Liebe zur Musik des 19. Jahrhunderts zusammenzubringen. Abwechslungsreich, dicht, flächig und doch zuweilen fein entstand auch hier das Bild einer sich stetig verändernden Landschaft. Das Stück mündete in einem eindrucksvollen, geradezu pompösen Finale, das die Zuhörer sprachlos und staunend über diese ganz eigene, vielseitige Tonsprache zurückliess. ….
SMZ, 25.02.2015, „Im Schmelztiegel“, Friederike Kenneweg
…Wie sonst käme man auf die Idee, den „Prestidigitateur“ Diabelli, dem Hermann Burger eine wunderbar verschraubte Erzählung widmete, zum Helden eines Musiktheaters zu machen? Die Virtuosität der Zauberkünstler, die Akrobatik fordert ihn heraus, das Interesse am Versteckspiel, an der Illusion treibt ihn an. Und da befinden wir uns ja dann auf genuin musikalischem Gebiet…
DAAD-Portrait, März 2014, Rainer Pöllmann
…Die hoch differenzierten Klänge vor allem aus dem Schlagwerk bis zu Gummibällen, die kaum hörbar über das Blech oder den Gong gezogen werden, fordern vielmehr zum Hinhören, Lauschen auf. […] Die Komposition wird von Übersetzungsprozessen begleitet und generiert sich allererst durch diese, was durchaus einer gewissen Eloquenz und Belesenheit des Komponisten, aber auch einer genauen Formulierung der Produktionsbedingungen geschuldet ist.[…] Mehr als bei anderen Komponisten schält sich für Michael Pelzel eine sprachlich formulierte Intermedialität heraus, die nicht nur einfach die Musik durch ein anderes Medium quasi metaphorisch versprachlichen oder erklären will. Entscheidend sind vielmehr ein „Kernprinzip“, eine „Konzeptionierung“ oder ein „konsequentes Abschreiten“, das in die Musik übersetzt wird. Architektur, Straße und Maschinenplastiken stoßen einen bestimmten Modus der Übersetzung an. Man könnte sagen — und das lässt sich hören —, dass Michael Pelzels Kompositionen ins Textuelle gehen. Die Verknüpfungen und Verweise lassen sich in der Musik hören, ohne dass sie etwas vertonten. […] In ihrer Hybridität werden die Kompositionen von Pelzel allererst ursprünglich, um sich einer afrikanischen Ursprünglichkeit zu entziehen. Die Bewegung der Übersetzung von beispielsweise Akadinda-Rhythmen, –Spieltechniken und -Titeln in ein Notensystem für ein Ensemble der zeitgenössischen Musik bringt immer schon Verschiebungen mit sich, die etwa mit einer „Melodie“ zu leugnen, Pelzels Sache nicht ist. So werden seine Kompositionen zu reflektierten, hoch differenzierten Klangkunststücken.
http://nightoutatberlin.jaxblog.de/, 31.1.2015, „Die intermedialen Musik-Reisen des Komponisten Michael Pelzel“, Torsten Flüh
…Avantgarde und Christfest als versteckte Verbündete – nicht ohne Orgelton. Das begann mit Michael Pelzels Orgelstück „étude-bagatelle“: der Komponist am Instrument. Die Orgel des herkulesssaals wird ja kaum beachtet, […] das Pfeifengebirge der Königin magisch im Glanz. Den Orgelklängen gesellen sich von Assistenten manuell erzeugte Orgelpfeifentöne hinzu – aparte, exotische, abwegig hohe oder tiefe Mixturen. Experimenteller Pelzels zweite Etüde: Orgelklang kämpft mit Manual- und Trakturgeräuschen, halb gezogenen Registern und „Fingerhut-Klapperklängen“. Fremdheiten…
Süddeutsche Zeitung, 16.12.2014, „Die verlangsamte Zeit“, Wolfgang Schreiber
…Orgelwerke sind eine Seltenheit auf der avantgardistischen Landkarte. Barrieren kirchenmusikalischen Denkens und die begrenzte Modulationsfähigkeit halten viele Komponisten vom Königsinstrument ab. Nicht so Michael Pelzel, der für die Münchner musica viva „études-bagatelles“ für Orgel solo beisteuerte und selbst spielte. […] Pelzel setzte das Instrument in den Bagatellen Nummer eins und zwei durch intelligente Arbeit mit den Registern und virtuos-klackernde Tastenspiele ohne Orgelwind ein. Die geräuschhafte Komposition wies hin…
Münchner Merkur, 15.12.2014, „Orgelzwitschern“, Anna Schürmer
