Im Schmelztigel der Rhythmen der Welt
Der Komponist Michael Pelzel im Portraitkonzert beim Ultraschallfestival Berlin
Ein halbes Jahr ist Michael Pelzel jetzt schon als Sitpendiat des DAAD in Berlin. Grund genug für das Ultraschallfestival Berlin, ihm ein Portraitkonzert zu widmen. Unter der Leitung von Johannes Kalitzke präsentierte Ende Januar das Klangforum Wien drei groß besetzte Ensemblewerke Pelzels. Und zudem soll ein Mitschnitt des Konzerts als Portrait-CD in der Edition Zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrates erscheinen. Es läuft also gut in Berlin für den Schweizer Komponisten, der schon im Jahr 2011 den Busoni-Preis der Akademie der Künste verliehen bekam. Bei der damaligen Preisverleihung lobte der Laudator Enno Poppe die Fähigkeit Pelzels, unterschiedlichste Einflüsse in etwas Persönliches zu verwandeln. Von dieser Eigenschaft zeugte einmal mehr das Konzert im Berliner Hebbeltheater am Ufer.
Auf der offenen Black-Box-Bühne waren nicht nur Streicher und Holzbläser, sondern auch drei Perkussionisten mit verschiedenstem Gerät sowie ein präpariertes Klavier und eine Celesta aufgebaut. Mit eindrucksvoller Dynamik präsentierte das Klangforum das erste Stück …along 101… aus dem Jahr 2008, in dem Michael Pelzel sich auf musikalische Weise der berühmten amerikanischen Westküstenstraße Highway 101 widmet. Wie auf einer Reise an einer abwechslungsreichen Straße entlang, so türmen sich in diesem Stück die Klänge des Ensembles auf zu dichten Wolken, Bildern, Flächen. Tatsächlich scheinen Anklänge an amerikanische Volksmusik hindurchzudringen – kurz klingt das vielleicht nach Country, nach Blaskapelle, doch schon ist man an dieser Stelle der Straße vorbeigerauscht.
Auch in …sentiers tortueux… aus dem Jahr 2007, zu deutsch etwa: „Verschlungene Pfade“, wähnt sich der Zuhörer auf einer abwechslungsreichen Reise. Wieder entstehen sehr dichte Klangflächen, die das gesamte Ensemble mit einbeziehen, um wieder auszudünnen und nur die Feinheiten der einzelnen Instrumentengruppen hervorzukehren – der im Sechsteltonabstand gestimmten zwei Klaviere oder der wie im Nichts verebbenden Holzbläser.
Pelzels Abwechslungsreichtum und seine Fähigkeit, aus dem Ensemble ganz ohne elektronische Hilfsmittel die unterschiedlichsten Klangfarben herauszuholen, kam auch im letzten Stück Sempiternal Lockin (2012-2014) zur Geltung. Darin verarbeitet Michael Pelzel eine weitere Reiseerfahrung, nämlich die von einem Stipendienaufenthalt in Südafrika. Dort lernte er die besondere Spieltechnik des Lock in kennen, einer speziellen Art, Perkussionsinstrumente mit mehreren Personen gleichzeitig zu spielen, so dass in den Obertönen weitere Rhythmen hörbar werden. Auch in Sempiternal Lockinbewies Michael Pelzel seine Fähigkeit, so unterschiedliche Einflüsse wie die Eindrücke aus Afrika mit seiner Liebe zur Musik des 19. Jahrhunderts zusammenzubringen. Abwechslungsreich, dicht, flächig und doch zuweilen fein, entstand auch hier das Bild einer sich stetig verändernden Landschaft. Das Stück mündete in einem eindrucksvollen, geradezu pompösen Finale, das die Zuhörer sprachlos und staunend gegenüber dieser ganz eigenen, vielseitigen Tonsprache hinterließ. Das Publikum spendete dem Portraitierten begeisterten Applaus. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, welche Einflüsse und Abdrücke der Stipendienaufenthalt in Berlin in der Musik Pelzels hinterlässt, in diesem Schmelztiegel, der so unterschiedliches miteinander zu verbinden vermag.
Friederike Kenneweg
Im Schmelztigel der Rhythmen der Welt
Der Komponist Michael Pelzel im Portraitkonzert beim Ultraschallfestival Berlin
Ein halbes Jahr ist Michael Pelzel jetzt schon als Sitpendiat des DAAD in Berlin. Grund genug für das Ultraschallfestival Berlin, ihm ein Portraitkonzert zu widmen. Unter der Leitung von Johannes Kalitzke präsentierte Ende Januar das Klangforum Wien drei groß besetzte Ensemblewerke Pelzels. Und zudem soll ein Mitschnitt des Konzerts als Portrait-CD in der Edition Zeitgenössische Musik des Deutschen Musikrates erscheinen. Es läuft also gut in Berlin für den Schweizer Komponisten, der schon im Jahr 2011 den Busoni-Preis der Akademie der Künste verliehen bekam. Bei der damaligen Preisverleihung lobte der Laudator Enno Poppe die Fähigkeit Pelzels, unterschiedlichste Einflüsse in etwas Persönliches zu verwandeln. Von dieser Eigenschaft zeugte einmal mehr das Konzert im Berliner Hebbeltheater am Ufer.
Auf der offenen Black-Box-Bühne waren nicht nur Streicher und Holzbläser, sondern auch drei Perkussionisten mit verschiedenstem Gerät sowie ein präpariertes Klavier und eine Celesta aufgebaut. Mit eindrucksvoller Dynamik präsentierte das Klangforum das erste Stück …along 101… aus dem Jahr 2008, in dem Michael Pelzel sich auf musikalische Weise der berühmten amerikanischen Westküstenstraße Highway 101 widmet. Wie auf einer Reise an einer abwechslungsreichen Straße entlang, so türmen sich in diesem Stück die Klänge des Ensembles auf zu dichten Wolken, Bildern, Flächen. Tatsächlich scheinen Anklänge an amerikanische Volksmusik hindurchzudringen – kurz klingt das vielleicht nach Country, nach Blaskapelle, doch schon ist man an dieser Stelle der Straße vorbeigerauscht.
Auch in …sentiers tortueux… aus dem Jahr 2007, zu deutsch etwa: „Verschlungene Pfade“, wähnt sich der Zuhörer auf einer abwechslungsreichen Reise. Wieder entstehen sehr dichte Klangflächen, die das gesamte Ensemble mit einbeziehen, um wieder auszudünnen und nur die Feinheiten der einzelnen Instrumentengruppen hervorzukehren – der im Sechsteltonabstand gestimmten zwei Klaviere oder der wie im Nichts verebbenden Holzbläser.
Pelzels Abwechslungsreichtum und seine Fähigkeit, aus dem Ensemble ganz ohne elektronische Hilfsmittel die unterschiedlichsten Klangfarben herauszuholen, kam auch im letzten Stück Sempiternal Lockin (2012-2014) zur Geltung. Darin verarbeitet Michael Pelzel eine weitere Reiseerfahrung, nämlich die von einem Stipendienaufenthalt in Südafrika. Dort lernte er die besondere Spieltechnik des Lock in kennen, einer speziellen Art, Perkussionsinstrumente mit mehreren Personen gleichzeitig zu spielen, so dass in den Obertönen weitere Rhythmen hörbar werden. Auch in Sempiternal Lockinbewies Michael Pelzel seine Fähigkeit, so unterschiedliche Einflüsse wie die Eindrücke aus Afrika mit seiner Liebe zur Musik des 19. Jahrhunderts zusammenzubringen. Abwechslungsreich, dicht, flächig und doch zuweilen fein, entstand auch hier das Bild einer sich stetig verändernden Landschaft. Das Stück mündete in einem eindrucksvollen, geradezu pompösen Finale, das die Zuhörer sprachlos und staunend gegenüber dieser ganz eigenen, vielseitigen Tonsprache hinterließ. Das Publikum spendete dem Portraitierten begeisterten Applaus. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, welche Einflüsse und Abdrücke der Stipendienaufenthalt in Berlin in der Musik Pelzels hinterlässt, in diesem Schmelztiegel, der so unterschiedliches miteinander zu verbinden vermag.
Friederike Kenneweg
